Around the world

Karibik: Homosexualität entkriminalisiert

// Ingrid Kapeller //
Antigua und Barbuda schreiben ihren Einwohner*innen nicht mehr vor, wen sie lieben dürfen. © Raphael Renter / Unsplash


Der Oberste Gerichtshof von Antigua und Barbuda hat das Verbot von einvernehmlichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen zwischen Erwachsenen aufgehoben. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass ein solches Verbot gegen die Rechte der Bürger*innen auf freie Meinungsäußerung, Freiheit, Privatsphäre und Schutz vor Diskriminierung verstößt. Nach Angaben der Eastern Caribbean Alliance for Diversity and Equality (ECADE), die den Fall vor Gericht gebracht hatten, sind gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen in sieben Ländern der Karibik nach wie vor verboten. In Barbados beispielsweise droht einer Person, die dagegen verstößt, eine lebenslange Haftstrafe. In Grenada, St. Kitts und Nevis sowie St. Lucia können gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

Cecilia Kukua

„Offen wie ein Kind bleiben“

// Bettina Conci //
Cecilia Kukua, Jahrgang 1990, stammt ursprünglich aus Bozen und lebt in Wien. Im Oktober ist die Schauspielerin, die drei Sprachen spricht, in der Wiederaufnahme des Kinderstücks „Dr. Dolittle“ im Theaterhaus für junges Publikum Dschungel Wien auf der Bühne zu sehen, ein neues Stück für Kinder ab sechs Jahren, „Peterchens und Annelieses Mondfahrt“, wird dort am 8. Dezember Premiere feiern. Kukua steht auch schon mal hinter der Kamera oder schreibt in Stückentwicklungen an Bühnentexten.
Was Cecilia Kukua am Herzen liegt: „Die Vielfalt der Gesellschaft soll auf der Bühne gezeigt werden.“ © Christian Ariel Heredia
Du hast Südtirol recht früh verlassen und bist nach Wien gegangen. Was könnte (oder sollte) sich der Südtiroler Kulturbetrieb von der österreichischen Hauptstadt abschauen?
Für mich ist das etwas schwierig zu beurteilen, weil ich dadurch, dass ich in Wien lebe, die Szene in Südtirol nicht mehr so gut kenne. Die Szene in Wien ist natürlich größer und es gibt deshalb mehr Möglichkeiten, Nischen zu bedienen. Südtirol erlebe ich immer als sehr engagiert, und soweit ich Einblick habe, gibt es einige aufstrebende Vereine und Projektideen. Generell wünsche ich mir, dass die Theaterbetriebe die Gesellschaft so widerspiegeln, wie sie tatsächlich ist. In ihrer ganzen Vielfalt. Dass mutiges Theater gemacht wird und wir uns von Klassischem und Gleichbleibendem mehr und mehr lösen. Das gilt für beide Orte. In beiden gibt es das schon teilweise, speziell in der Freien Szene, es gibt aber auch noch Luft nach oben.
Du stammst aus Bozen, bist in Südtirol aufgewachsen, hast hier studiert und jüngst im Auftrag der Provinz in einem der Kurzfilme zu „Südtirols Zukunftsszenarien 2030“ mitgewirkt. Wie nahe bist du Südtirol noch?
Mittlerweile ist mein Lebensmittelpunkt in Wien. Ich kenne viele Künstler*innen, die hier arbeiten und es entstehen auch immer wieder spannende Projekte. Mit der Heimat verbindet mich auf alle Fälle der Dialekt. Die Südtiroler*innen, so finde ich, haben außerdem so eine Macher-Mentalität. Das habe ich vor allem in meiner Zeit an der Theaterschule in Bruneck festgestellt und das gefällt mir. Ich freue mich immer, wenn sich ein Projekt oder eine Zusammenarbeit in Südtirol ergibt. Da komme ich gerne heim und verbringe etwas mehr Zeit hier.
Ist dir Südtirol zu eng geworden? Oder zog es dich so oder so in die Ferne?
Es war kein bewusstes „Ich will weg.“ Mir selbst hat das Theaterspielen unheimlich gutgetan, als ich so 12, 13 Jahre alt war. Da bin ich richtig aufgeblüht. Nach der Matura wollte ich auf die Schauspielschule und ging erst mal nach Innsbruck. Schließlich habe ich mich für die Ausbildung zur Theaterpädagogin entschieden und so landete ich in Wien. Die Idee, Jugendlichen etwas zu geben, gefiel mir – auch wenn es mir am Ende zunächst wichtiger war, selbst auf der Bühne zu stehen.
Warst du immer schon Feministin bzw. war das schon immer selbstverständlich für dich, für die Gleichstellung der Frauen zu kämpfen, oder wurde es dir erst im Laufe der Zeit bewusst?
Ich habe mir eigentlich immer schon die Frage gestellt: Was bringt das, was ich mache? Ich wollte immer schon Theater mit purpose machen, mit einem Bezug zu realen Konflikten. Das Feministische spielte allerdings nicht bewusst eine Rolle, in dem Sinn, dass ich einen Text geschrieben oder ein Stück gemacht hätte, wo dieses Thema im Vordergrund stand.
Am Anfang ging es mir als Schauspielerin vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Das Spielen stand im Vordergrund, Projekte wurden gestartet, und erst nach und nach setzte ich gewisse Schwerpunkte. So ist mir zum Beispiel das Gendern wichtig, und dass dies auch beim Schreiben nicht vergessen wird. Durch gewisse literarische Vorbilder habe ich mich mit dem Feminismus auseinandergesetzt, und im Rahmen der Feministischen Wochen in der Schweiz habe ich einen Theaterworkshop geleitet, der sich an als Frauen fühlende Personen richtete. Das Stück „Medeas Töchter“, in dem Frauen in systemrelevanten Berufen zu Wort kommen, bringt die Themen der antiken Figur in die heutige Zeit und verleiht ihnen Aktualität.
Das klingt aber doch nach einer recht anständigen Portion Feminismus…
Ja, jetzt wo ich darüber nachdenke, bin ich vielleicht doch engagierter in dieser Hinsicht, als mir bewusst war. Als Frau habe ich mich früher damit auseinandergesetzt als in schauspielerischer Hinsicht, wo es eine Entwicklung in diese Richtung hin war.
„Medeas Töchter“ mit Kukua und Kollegin Ivana Nikolic in der Kulturbackstube in Innsbruck im Juni 2022 © Alena Klinger
Was ist bei deiner Arbeit wichtig für dich?
Theater soll nicht nur Spaß machen, sondern auch etwas erreichen. Die Zuschauer*innen sollen etwas mitnehmen können. Emotionen, Denkanstöße, ein Gefühl. Je mehr Zeit ich meinem Beruf widme, umso mehr setze ich mir allerdings auch zum Ziel, dass Theater etwas für die Gesellschaft als Ganzes bewirkt. Auf der Bühne ist mir nach wie vor die spielerische Komponente wichtig, im wahrsten Sinn des Wortes. Vor allem bei Stücken, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Kinder sind neugierig, sie sind einfach. Alles dreht sich darum, im Moment zu sein. Ehrlich. Daran müssen wir uns erinnern. Uns selbst und andere herausholen aus diesem Erwachsenengetue. Deshalb mag ich Improvisationen sehr. Und Stückentwicklungen. Dieses Aus-sich-selber-Kommen. Dinge einfach passieren lassen.
Wie veränderte die Pandemie den Theaterbetrieb?
Ich habe den Eindruck, die Menschen haben das Theater sehr vermisst. Vor allem bei Theaterstücken für Kinder und Jugendliche, an denen ich mitgewirkt habe, ist festzustellen: Die Stücke sind ausverkauft, die Leute dürstet nach Theater. Das tut der Szene sicher gut. Die Pandemie hat einiges in punkto Beschäftigungsverhältnisse und Verträge ins Rollen gebracht. Ich als Künstlerin bin aufmerksamer und überlege mir im Vorhinein: Worauf lasse ich mich ein? Bin ich ausreichend abgesichert? Und auch anderen ging es in bestimmten Phasen der Pandemie so.
Auch meine persönliche Entwicklung und mein Verständnis als Künstlerin wurden von dieser Zeit beeinflusst, denke ich. Ich habe diesen Beruf gewählt, und ich stehe dazu. Vielleicht hat die Pandemie so ein „Jetzt erst recht“-Gefühl in mir ausgelöst: Anstatt zu resignieren, gab ich nicht auf, sondern bleibe dran.