Sei servita - Das Bild der Frau in der Werbung

Ornament oder Mensch: Die Entscheidung der Unternehmen

// Kathinka Enderle //
© AXA Italia
AXA bricht mit Klischees
AXA Italia zeigt, dass Werbung auch Verantwortung tragen kann. Statt Frauen auf Dekoration zu reduzieren, stellt AXA ihre Würde ins Zentrum: Kundinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, erhalten kostenlose Beratung, psychologische Hilfe und Unterstützung für ihre Kinder. Das ist kein leeres Bild, keine austauschbare Pose, sondern konkrete Fürsorge. Ist das nicht die Art von Werbung, die wir uns wünschen sollten? Eine, die stärkt, statt zu degradieren? Eine, die zeigt: Frauen sind nicht Kulisse, sondern Menschen.



© PEKEAG GmbH, Berlin
© Klempnerei Ulbricht, Sachsen
„Herrliche Aussichten“ – aber auf wessen Kosten?
Und dann kommen leider die anderen.Ein Logistikunternehmen, das Frauen in Babydolls und High Heels auf Lkw drapiert – was soll daran die Professionalität sein? Technik, Leistung, Präzision? Oder doch nur das altbekannte Muster: Haut statt Kompetenz? Ist es nicht vielmehr ein Eingeständnis von Ideenlosigkeit, wenn man auf nackte Körper zurückgreifen muss, um Aufmerksamkeit zu erkaufen?

Oder der Slogan einer Klempnerei „Herrliche Aussichten“ neben einem abgeschnittenen Frauenkörper. Geht es wirklich um Dächer oder doch nur um das voyeuristische Fenster in ein degradiertes Menschenbild?

Und schließlich die Anzeige einer Baumpflegefirma, die zeigt wie eine Frau einen Baumstamm küsst, während darunter steht: „…wir pflegen Bäume!“. Pflege? Oder Pose? Nachhaltigkeit? Oder unfreiwillige Komik? Was bleibt übrig außer Fremdscham, wenn Natur zur Requisite und Frauenkörper zur Pointe degradiert werden?



© Baumpflege Staniek, Tulln
Die Wahl: Ornament oder Gleichberechtigung
Alle diese Negativbeispiele haben eines gemeinsam: Frauen sind nicht handelnde Personen, sondern bloße Objekte. Platzhalter, Lückenfüller, Projektionsflächen. Was sagt das über unsere Vorstellungen von Arbeit, Geschlecht und Wert? Welche Bilder prägen sich in unser gesellschaftliches Gedächtnis ein, wenn Kompetenz immer wieder hinter Dekolletés verschwindet? Wollen wir wirklich, dass die Zukunft unserer Arbeitswelten so aussieht? AXA hat gezeigt, dass es anders geht: Werbung kann auch stärken. Unternehmen haben eine klare Wahl – Frauen weiter zum Ornament zu machen. Oder endlich sichtbar zu machen, was wirklich zählt: Gleichberechtigung, Kompetenz und Würde.

Chicce di cultura

The Daily Feminist: 199 konkrete Hand-­lungstipps für Gleich-berechtigung im Alltag

// Hannah Lechner //
© Hoellrigl Tschaikner
Von Evelyn Höllrigl Tschaikner; Kösel Verlag '25
Ausgehend von eigenen Erfahrungen, schreibt Evelyn Höllrigl Tschaikner in The Daily Feminist über die Müdigkeit und Wut, die der Alltag in einer männergemachten Welt für FLINTA Personen mit sich bringt und will aufzeigen, wie Mikrofeminismus in Form von kleinen Handlungen und Gesten entgegenwirken kann: „‚Mikro‘ bedeutet nicht unwichtig,“ schreibt die Autorin, „es beschreibt das, was in unseren täglichen Begegnungen passiert. Was oft übersehen wird, im Privaten beginnt und durch unser Handeln nach außen schwappt. Größe sagt nichts über die Wirkung. Die Menge aber schon.“ Evelyn Höllrigl Tschaikner kommt ursprünglich aus Südtirol, hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern als freie Journalistin und Autorin in Wien.