Selbstbestimmt
Kein Frauenkram
// Marlene Erschbamer //
Das Kind ist da, aber die Welt steht unangenehm Kopf. Dabei ist eine Wochenbettdepression keine reine Frauenkrankheit: Väter erkranken auch daran.

Schatten statt Babyglück © Kelly Sikkema - unsplash
Ein Neugeborenes gilt vielfach als Inbegriff des Glücks. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus: Das Kind ist da, doch die Glücksgefühle bleiben aus. Versagensängste, lähmende Überforderung und tiefe Scham prägen stattdessen den Alltag der Eltern. Es sind Gefühle, die nicht ins Idealbild einer „perfekten” Familie passen.
Um auf die psychischen Belastungen rund um eine Geburt aufmerksam zu machen, hängt an der Fassade der Innsbrucker Klinik ein pink besticktes Baustellennetz. Es ist ein Werk der Künstlerin Katharina Cibulka mit der Aufschrift: „Solange du meine Depression übersiehst, weil du Babyblues hörst, bin ich Feminist:in“. Dahinter steckt eine wichtige Differenzierung: Während der Babyblues meist nur wenige Tage dauert und von allein abklingt, ist die Wochenbettdepression eine tiefgreifende Erkrankung, die professionelle Hilfe erfordert.
Allerdings unterscheiden sich Symptome und Verlauf zwischen den Geschlechtern. Bei Müttern tritt eine Depression meist in den ersten Wochen nach der Geburt auf. Das ist auf die massiven körperlichen Umstellungen in dieser Zeit zurückzuführen. Betroffene Frauen berichten von bleierner Müdigkeit, tiefer innerer Leere oder der quälenden Angst, keine Bindung zum Neugeborenen aufbauen zu können.
Väter entwickeln eine Depression dagegen zeitversetzt. Die psychische Belastung bricht bei ihnen meist zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat des Kindes durch. Studien zeigen, dass auch bei ihnen ein hormoneller Umbau stattfindet, der ein depressives Erleben begünstigen kann. Ihre Not äußert sich jedoch anders, beispielsweise durch sozialen Rückzug, Flucht in die Arbeit oder erhöhte Reizbarkeit.
Auch das Umfeld spielt eine Schlüsselrolle: Gut gemeinte Ratschläge wie „Das ist alles halb so wild“ bagatellisieren die Krankheit. Deutlich wirkungsvoller sind aktives Zuhören und konkrete Alltagsentlastung, etwa durch Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung.
Um auf die psychischen Belastungen rund um eine Geburt aufmerksam zu machen, hängt an der Fassade der Innsbrucker Klinik ein pink besticktes Baustellennetz. Es ist ein Werk der Künstlerin Katharina Cibulka mit der Aufschrift: „Solange du meine Depression übersiehst, weil du Babyblues hörst, bin ich Feminist:in“. Dahinter steckt eine wichtige Differenzierung: Während der Babyblues meist nur wenige Tage dauert und von allein abklingt, ist die Wochenbettdepression eine tiefgreifende Erkrankung, die professionelle Hilfe erfordert.
Zwischen Hormonen & unterschätzter Gefahr
Doch nicht nur Frauen, sondern auch Männer erkranken an einer Wochenbettdepression. Etwa 15 Prozent der Mütter und zehn Prozent der Väter sind innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt ihres Kindes davon betroffen, wobei die Dunkelziffer vermutlich höher liegt. Denn Scham und Schuldgefühle verhindern oft, dass sich Betroffene Hilfe holen.Allerdings unterscheiden sich Symptome und Verlauf zwischen den Geschlechtern. Bei Müttern tritt eine Depression meist in den ersten Wochen nach der Geburt auf. Das ist auf die massiven körperlichen Umstellungen in dieser Zeit zurückzuführen. Betroffene Frauen berichten von bleierner Müdigkeit, tiefer innerer Leere oder der quälenden Angst, keine Bindung zum Neugeborenen aufbauen zu können.
Väter entwickeln eine Depression dagegen zeitversetzt. Die psychische Belastung bricht bei ihnen meist zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat des Kindes durch. Studien zeigen, dass auch bei ihnen ein hormoneller Umbau stattfindet, der ein depressives Erleben begünstigen kann. Ihre Not äußert sich jedoch anders, beispielsweise durch sozialen Rückzug, Flucht in die Arbeit oder erhöhte Reizbarkeit.
Kein Zeichen von Schwäche
Eine Wochenbettdepression wird häufig als Versagen gedeutet. Dabei ist sie keine Frage der Elternkompetenz, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die gut behandelbar ist. Wer Hilfe sucht, zeigt keine Schwäche, sondern übernimmt Verantwortung für sich und sein Kind.Auch das Umfeld spielt eine Schlüsselrolle: Gut gemeinte Ratschläge wie „Das ist alles halb so wild“ bagatellisieren die Krankheit. Deutlich wirkungsvoller sind aktives Zuhören und konkrete Alltagsentlastung, etwa durch Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung.

