Editorial

Kraft - Forza

Equal Care, Equal Pay, Equal Pension: Um die Aktionstage für mehr „Equal”, sprich mehr Chancengleichheit, zu zählen, brauchen wir schon bald zwei Hände. Sie unterstreichen jedoch, dass es mit dem Gleichberechtigt und dem Gleichwertig nicht weit her ist und noch viel Wasser die Etsch hinunterfließen muss, bis Fürsorgearbeit gerecht aufgeteilt ist, gleiche Arbeit mit gleichem Lohn vergütet wird und in der Folge auch die Rentenungleichheiten zur Geschichte gehören. Es braucht noch (zu) viel Zeit. Und Kraft.

Diese aktuelle Ausgabe der ëres widmen wir kraftvollen Frauen. Wir rücken unsere weibliche Urkraft in den Mittelpunkt und reden darüber, was es Kraft kostet, eine Frau zu sein – und wie wir neue Kraft schöpfen können. Dankbar, dass es Frauen gibt, die uns inspirieren und die uns vorausgehen. Dass Frauen vielfach mehr kämpfen müssen, um vermeintlich männliche Positionen zu erreichen, das wollen wir bei den anstehenden Gemeinderatswahlen honorieren. Denn wir brauchen diese Frauen in der Politik, die ihre Kraft aufwenden und den Weg dafür ebnen, dass künftig jegliche „Equal Days“ überflüssig werden. Danke für euren Einsatz. Meine Stimme ist euch sicher.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre
Maria Pichler, Chefredakteurin

Landesbeirat für Chancengleichheit

Wenn am Ende des Jahres 30.000 Euro fehlen

// Maria Pichler //
Es ist Jahr für Jahr das gleiche Lied: Nach wie vor verdienen Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt 17,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Doch wussten Sie, dass auch Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen im Vergleich zu ihren Konkurrenten durch die Finger schauen?
Die Zahl der Frauenunternehmen in Südtirol steigt – wenn auch langsam. Zum Ende des Jahres 2024 waren laut der Bozner Handelskammer insgesamt 11.339 Frauenunternehmen im Handelsregister eingetragen, was 18,4 Prozent aller Unternehmen in Südtirol ausmacht. In vielen Branchen ist eine Selbstständigkeit eine gute Möglichkeit, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Dies gilt vor allem dann, wenn der Job zeit- und/oder ortsunabhängig ausgeübt werden kann, bei Dringlichkeiten der Fernseher kurz das Babysitten übernimmt, eine Nachtschicht eingeschoben wird oder aber die (langen) Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz wegfallen, die Kindergarten-Abholzeiten nicht zum Spießroutenlauf werden und ein krankes Kind in wenigen Minuten von der Schule abgeholt werden kann. Wo es Licht gibt, gibt es aber auch Schatten – auch in diesem Fall. Das beginnt bei den Rentenzahlungen, wo sich Selbstständige stets vor Augen halten müssen, dass allein mit den Pflichtbeiträgen in die Berufskasse kein Lebensunterhalt zu bestreiten sein wird (siehe Seite 18). Abgesehen davon, schauen aber Selbstständige auch in punkto Entgeltgleichheit durch die Finger…
Wussten Sie etwa, dass junge Architekten zu Beginn ihrer Karriere monatlich mehr als 1.000 Euro netto verdienen, während Architektinnen ein Anfangsgehalt von 900 Euro beziehen? Wussten Sie, dass Rechtsanwältinnen im Durchschnitt 30.000 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen im Jahr einnehmen? Und wussten Sie, dass Wirtschaftsprüfer ihre Ziele in Bezug auf Position und Einkommen um einiges schneller erreichen als Wirtschaftsprüferinnen? Diese Zahlen und Erkenntnisse sind das Ergebnis der Entgelttransparenz, welche die Europäische Union mittels Richtlinie im Jahr 2023 vorgeschrieben hat. Und sie zeigen klar auf: Gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit ist ein Thema, das nicht nur Arbeitnehmerinnen in der Privatwirtschaft (-17,3 Prozent) und im öffentlichen Dienst (-16,8 Prozent) betrifft, sondern auch Unternehmerinnen, Freiberuflerinnen und Selbstständige. Einmal abgesehen davon, dass gerade im beruflichen, institutionellen und politischen Bereich Männer grundsätzlich bevorzugt werden, während Frauen vielfach die unbezahlte Care-Arbeit in der Familie übernehmen – mit allen bekannten Auswirkungen auf das Gehalt (Teilzeit), die Karriere (Führungspositionen) und die Pension (Erwerbslücken). Was sicher helfen kann, ist eine stärkere Vernetzung von Frauen, die Stärkung des Selbstwertgefühls für Gehaltsverhandlungen und die Förderung der finanziellen Bildung. Konkret (und das gilt auch und gerade für Unternehmerinnen und Selbstständige): Frauen sollen Frauen weiterempfehlen, Frauen sollen sich nicht unter Wert verkaufen und Frauen sollen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen. Instrumente dafür gibt es mittlerweile viele, unter anderem einen eigens ausgearbeiteten Fragebogen, der eine gute Basis dafür bilden kann, in einer Partnerschaft das Thema Geld konkret anzugehen. Dieser ist ebenso wie das Haushaltsbuch der Caritas, sowie weiteren Informationen zum Equal Pay Day am
11. April 2025 online unter www.chancengleichheit.provinz.bz.it zu finden.






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