roh&ungeschält

So nicht Herr Doktor

Mein Vertrauen in unser Gesundheitssystem – oder vielmehr in bestimmte Personen – ist erschüttert. Wenn meine Symptome von (männlichen) Ärzten als „nicht so schlimm“ weggelächelt werden, ist das kein Missverständnis. Es ist eine Frechheit!

Besonders charmant finde ich pseudo-väterliche Ratschläge. „Sie sind nur eine überarbeitete Mami – suchen Sie sich doch eine geistig weniger anspruchsvolle Beschäftigung.“ Gemeint war ich. In der Welt dieses Halbgottes in weiß war mein Gehirn offensichtlich das größte Hindernis.

Geht’s noch? Ich brauche keine geistige Unterforderung, sondern ein offenes Ohr, wenn ich medizinische Hilfe suche. Ich bin schließlich keine Hypochonderin. Wie so viele Frauen funktioniere ich noch dann, wenn so mancher Mann längst das Handtuch wirft oder bereits das Testament aufsetzt.

Doch zurück zu den Frechheiten im weißen Kittel: Mir ging es körperlich schlecht, aber der Arzt würdigte mich keines Blickes. Sein Monitor war ihm offensichtlich wichtiger als ich.

Steht neuerdings im Computer, was mit mir los ist? – Schon klar, so lässt sich der Papierkram zeitsparend abarbeiten …

Trotz meiner geschilderten Symptome: keine Untersuchung. Erst nach zähem Argumentieren und nachdem ich mir diverse Unverschämtheiten über meine vermeintliche Überforderung als Frau anhören musste, gab er nach. Widerwillig verschrieb er eine Blutuntersuchung. Seine Begründung: „Damit Sie sehen, dass eh nichts ist.“

Oh, und siehe da – schwarz auf weiß, frisch aus dem Labor: Meine Beschwerden hatten eine handfeste Ursache. Von wegen, ich bin nur eine überforderte Mami.

Übrigens ist mir ein solches Verhalten nicht zum ersten Mal begegnet – interessanterweise immer bei Vertretern einer bestimmten männlichen Altersgruppe. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt …
Und bevor das obligatorische „Nicht alle Männer“ kommt: Ja, ich weiß, es gibt auch andere Männer bzw. Ärzte. Aber ich habe keine Lust, das ständig zu betonen, während mir zum wiederholten Male herablassende Bemerkungen an den Kopf geschmissen werden.

ëres web

Wie KI die Medizin menschlicher macht

// Jenny Cazzola | Centaurus //
Künstliche Intelligenz scheint im Moment allgegenwärtig zu sein. Auch in der Medizin wird sie eingesetzt.
Dr.in Selena Milanovic ist Expertin für Medizintechnik und weiß, wie KI in der Medizin eingesetzt wird. © Dr.in Selena Milanovic - Ingrid Heiss
Dr.in Selena Milanovic arbeitet in der Medizintechnik-Industrie und ist in europäische Politik- und Regulierungsinitiativen eingebunden, die Künstliche Intelligenz (KI) betreffen.
„In der Medizin wird KI bereits seit Jahren eingesetzt, oft unbemerkt im Hintergrund. Ein zentrales Feld ist die Bildgebung: KI unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, Tumore oder Gefäßverengungen früher und präziser zu erkennen. Daneben gibt es KI-Systeme zur Optimierung von Krankenhausabläufen, etwa zur besseren Planung von Operationen oder zur Reduktion von Wartezeiten. Neu hinzu kommen speziell entwickelte Sprachmodelle, die Ärztinnen und Ärzte bei der Dokumentation, oder der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten unterstützen.“
Der Einsatz von KI in der Medizin birgt für Milanovic viele Vorteile: „KI kann Medizin präziser, effizienter und menschlicher machen. Sie hilft, Krankheiten früher zu erkennen, Therapien individueller anzupassen und medizinisches Personal zu entlasten. Zeit, die heute für Bürokratie und Dokumentation verloren geht, kann wieder dem Menschen gewidmet werden: dem Gespräch, der Empathie, der Betreuung. Gerade in Regionen mit begrenzten Ressourcen kann KI zudem dazu beitragen, Versorgung gerechter zu verteilen.“
Die KI als Chance für Südtirol und die Menschen
So eine Region ist für Milanovic Südtirol. Denn die alternde Bevölkerung, die abgelegenen Täler und die häufig weiten Wege zur medizinischen Versorgung seien große Herausforderungen. „Genau hier kann KI einen enormen Mehrwert leisten - etwa durch Telemedizin, intelligente Diagnostik oder digitale Betreuungskonzepte.“
Der Einsatz von KI in der Medizin stünde in Südtirol aber noch ganz am Anfang, was Milanovic als Chance sieht. „Es gibt bereits Pilotprojekte im Bereich Telemedizin, digitale Patientenakten und erste KI-gestützte Anwendungen in der Bildgebung.“
Fortschritt mit Augenmaß
Viele Menschen stehen der Anwendung von KI in der Medizin skeptisch gegenüber. Milanovic versteht das. „Viele Menschen haben Angst vor Entmenschlichung, Kontrollverlust oder dem Missbrauch sensibler Gesundheitsdaten. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Transparenz, Datenschutz und klare ethische Leitlinien sind entscheidend, um Vertrauen aufzubauen. KI darf nicht über Menschen entscheiden, sondern unterstützen.“
Deshalb ist es ihr wichtig zu betonen, dass KI kein rein technisches Thema sei, sondern eine gesellschaftliche Entscheidung. Technischer Fortschritt sei kein Selbstzweck, sondern müsse den Menschen dienen. Aber: „Wenn wir Künstliche Intelligenz mit Augenmaß, Mut und Menschlichkeit einsetzen, kann sie gerade im Gesundheitswesen zu einem echten Fortschritt werden.“