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Der Mythos vom „Augen zu und durch“ ist nicht mehr
// Maria Pichler //
Als zertifizierte Wechseljahrberaterin, Entspannungstrainerin und Coach hat es sich Barbara Fleckinger zur Aufgabe gemacht, Frauen in den Wechseljahren kompetent und einfühlsam zu begleiten. Denn: „Die Wechseljahre sind nichts, dem man hilflos ausgeliefert ist.“

Barbara Fleckinger © privat
Wie sind Sie zur Wechseljahrberatung gekommen und was fasziniert Sie an diesem Thema?
Als ich selbst in die Wechseljahre gekommen bin, hat es sich für mich angefühlt, als würde ich einen dunklen Raum betreten, ohne Lichtschalter, ohne Landkarte, völlig orientierungslos. Meine Symptome waren anfangs nicht die „klassischen“, von denen ich schon mal gehört hatte. Genau deshalb wurde ich nicht wirklich ernst genommen und auch nicht gut beraten. Ich hatte viele Fragen, aber kaum Antworten.
Irgendwann habe ich verstanden, dass diese Phase eine Einladung ist: eine Einladung, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, mit meinem Frausein, meiner Wandlung, meiner Gesundheit. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es hier ein großes gesellschaftliches Defizit gibt. Gerade in Südtirol fehlte damals – und fehlt teilweise noch immer – eine fundierte, ganzheitliche Begleitung für Frauen in den Wechseljahren. Ich habe mich dann entschieden, alles auf eine Karte zu setzen, habe die Ausbildung zur zertifizierten Wechseljahrberaterin gemacht und mich darüber hinaus intensiv weitergebildet. Mein Ziel war und ist es, Frauen zu ersparen, das zu erleben, was ich selbst erlebt habe: dieses Herumtappen im Dunkeln ohne Orientierung.
Aus diesem Gedanken heraus ist auch das FrauenZimmer entstanden. Ein Raum, in dem Frauen ihre Geschichte erzählen dürfen, in dem ihnen zugehört wird und in dem sie ernst genommen werden. Ein Ort, an dem man gemeinsam das Licht wieder einschaltet, Zusammenhänge erklärt und Orientierung schafft. Mir ist besonders wichtig zu vermitteln, dass Frauen das Zepter selbst in die Hand nehmen können: Die Wechseljahre sind nichts, dem man hilflos ausgeliefert ist. Man kann aktiv etwas tun, für sich und für die eigene Gesundheit.
Meine Mission ist es, die Wechseljahre aus der verstaubten Schublade zu holen und das alte, oft negative Bild neu zu malen. Weg von Angst und Tabu und hin zu Wissen, Selbstwirksamkeit und einem bewussten Übergang in eine neue Lebensphase.
Lange waren die Wechseljahre mit sehr einseitigen und oft negativen Bildern verknüpft. Dieses Bild beginnt sich langsam zu verändern. Heute wird zunehmend wahrgenommen, dass die Wechseljahre kein Abstellgleis sind, sondern eine Phase des Wandels und der Neuorientierung.
In anderen Kulturen ist man hier teilweise schon weiter. Dort bedeutet diese Lebensphase einen Rollenwechsel der positiv besetzt ist. Frauen steigen in eine neue Rolle auf werden zu Ratgeberinnen, bringen Erfahrung und Überblick mit und haben oft die intensive Phase der Kindererziehung bereits hinter sich. Dieser Rollenwechsel kann etwas sehr Kraftvolles sein.
In unserer Gesellschaft ist dieser Übergang noch nicht selbstverständlich positiv bewertet. Genau hier sehe ich eine große Aufgabe diesen Rollenwechsel neu zu denken und als Bereicherung sichtbar zu machen, für die Frauen selbst und für unsere Gesellschaft insgesamt.
Viele Frauen glauben auch, dass es zwingend Hormontests braucht. In Wirklichkeit genügt es oft, genau zuzuhören. Beschwerden erzählen sehr viel darüber, was im Körper passiert. Ebenso darf der Mythos vom „Augen zu und durch“ getrost verabschiedet werden. Keine Frau muss heute leiden.
Wechseljahrsbeschwerden sind auch keine Strafe dafür, dass man im Leben etwas falsch gemacht hat. Sie sind vielmehr eine Einladung, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Diese Phase ist ein sensibles Zeitfenster, in dem es besonders wichtig ist, gut auf Herzgesundheit, Stoffwechsel und mentale Stabilität zu achten.
Und vielleicht das Wichtigste: Frauen sollten aufhören, sich gegenseitig zu bewerten. Es gibt nicht den einen richtigen Weg durch die Wechseljahre. Jede Frau darf den Weg wählen, der sich für sie stimmig und gut anfühlt.
Psychisch zeigen sich oft Stimmungsschwankungen, depressive Phasen, innere Unruhe oder Panikattacken. Viele Frauen fühlen sich schneller gereizt, weniger belastbar und deutlich weniger stressresistent als früher. Was früher vielleicht nur gedacht wurde, wird jetzt ausgesprochen – und das kann für das Umfeld überraschend sein.
Diese Veränderungen wirken sich auf den Alltag und auf Beziehungen aus. Wenn sich eine Frau in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlt und emotional weniger stabil ist, betrifft das die Beziehung zu Kindern genauso wie die Partnerschaft. Viele Beziehungen müssen in dieser Lebensphase neu definiert werden. Deshalb rate ich Frauen immer, zuerst gut hinzuschauen und sich selbst zu verstehen, bevor sie in dieser Phase vorschnelle Entscheidungen treffen, etwa in Richtung Trennung oder grundlegender Veränderungen in der Beziehung.
Die Herausforderung ist, dass in dieser Phase oft genau dieses Verständnis auf beiden Seiten fehlt. Jugendliche sind selbst stark mit sich beschäftigt und Frauen haben weniger hormonelle Ressourcen als früher, um ständig ausgleichend zu wirken. Das kann zu Konflikten führen, die sich schnell zuspitzen.
Gleichzeitig liegt darin auch eine Chance. Wenn es gelingt, diese Phase bewusster zu gestalten, offen zu kommunizieren und gegenseitige Prozesse ernst zu nehmen, kann daraus mehr Ehrlichkeit, Klarheit und ein neues Miteinander entstehen innerhalb der Familie.
Gleichzeitig rate ich Frauen, sich selbst auf Augenhöhe zu begegnen und sich den Raum zu nehmen, den sie brauchen – unabhängig davon, ob sie viele Beschwerden haben oder kaum Symptome spüren.
Und ganz wichtig ist mir auch der Austausch unter Frauen. Frauenfreundschaften tragen enorm durch diese Zeit. Sich gegenseitig zu unterstützen, solidarisch zu sein, voneinander zu lernen und in Verbindung zu bleiben, kann sehr stärkend wirken. Kommunikation und Gemeinschaft sind in dieser Phase ein großer Schlüssel.
Viele Rückmeldungen zeigen mir, dass Frauen durch diese humorvollen Darstellungen erst verstehen, wie vielfältig die Wechseljahre sind und welche Themen alles dazugehören. Sich darin wiederzufinden, wirkt entlastend und macht verständlich, dass diese Veränderungen nichts Ungewöhnliches sind.
Humor bedeutet dabei nicht, die Wechseljahre nicht ernst zu nehmen. Im Gegenteil. Er ermöglicht einen liebevollen und offenen Umgang mit sich selbst und mit dem Umfeld. Wenn wir uns trauen, darüber zu sprechen und auch darüber zu lachen, werden die Wechseljahre gesellschaftsfähig. Mein Anspruch ist es, den Fokus weg vom verstaubten Bild zu lenken hin zu einer Phase, die bunt, lebendig, humorvoll, spannend und voller Veränderung sein darf.
Irgendwann habe ich verstanden, dass diese Phase eine Einladung ist: eine Einladung, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, mit meinem Frausein, meiner Wandlung, meiner Gesundheit. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es hier ein großes gesellschaftliches Defizit gibt. Gerade in Südtirol fehlte damals – und fehlt teilweise noch immer – eine fundierte, ganzheitliche Begleitung für Frauen in den Wechseljahren. Ich habe mich dann entschieden, alles auf eine Karte zu setzen, habe die Ausbildung zur zertifizierten Wechseljahrberaterin gemacht und mich darüber hinaus intensiv weitergebildet. Mein Ziel war und ist es, Frauen zu ersparen, das zu erleben, was ich selbst erlebt habe: dieses Herumtappen im Dunkeln ohne Orientierung.
Aus diesem Gedanken heraus ist auch das FrauenZimmer entstanden. Ein Raum, in dem Frauen ihre Geschichte erzählen dürfen, in dem ihnen zugehört wird und in dem sie ernst genommen werden. Ein Ort, an dem man gemeinsam das Licht wieder einschaltet, Zusammenhänge erklärt und Orientierung schafft. Mir ist besonders wichtig zu vermitteln, dass Frauen das Zepter selbst in die Hand nehmen können: Die Wechseljahre sind nichts, dem man hilflos ausgeliefert ist. Man kann aktiv etwas tun, für sich und für die eigene Gesundheit.
Meine Mission ist es, die Wechseljahre aus der verstaubten Schublade zu holen und das alte, oft negative Bild neu zu malen. Weg von Angst und Tabu und hin zu Wissen, Selbstwirksamkeit und einem bewussten Übergang in eine neue Lebensphase.
Vielfach sind die Wechseljahre noch ein Tabuthema. Empfinden Sie das auch so und welche Veränderungen merken Sie in unserer Gesellschaft?
Ich habe das Gefühl, dass sich in den vergangenen Jahren bereits einiges bewegt hat, auch wenn mein Blick darauf natürlich geschärft ist, weil ich mich intensiv mit dem Thema beschäftige. Trotzdem glaube ich, dass wir Frauen inzwischen verstanden haben, wie wichtig es ist, dieses Tabu endgültig zu entstauben – nicht nur für uns selbst sondern auch für unsere Töchter.Lange waren die Wechseljahre mit sehr einseitigen und oft negativen Bildern verknüpft. Dieses Bild beginnt sich langsam zu verändern. Heute wird zunehmend wahrgenommen, dass die Wechseljahre kein Abstellgleis sind, sondern eine Phase des Wandels und der Neuorientierung.
In anderen Kulturen ist man hier teilweise schon weiter. Dort bedeutet diese Lebensphase einen Rollenwechsel der positiv besetzt ist. Frauen steigen in eine neue Rolle auf werden zu Ratgeberinnen, bringen Erfahrung und Überblick mit und haben oft die intensive Phase der Kindererziehung bereits hinter sich. Dieser Rollenwechsel kann etwas sehr Kraftvolles sein.
In unserer Gesellschaft ist dieser Übergang noch nicht selbstverständlich positiv bewertet. Genau hier sehe ich eine große Aufgabe diesen Rollenwechsel neu zu denken und als Bereicherung sichtbar zu machen, für die Frauen selbst und für unsere Gesellschaft insgesamt.
Was sollten Frauen unbedingt über die Wechseljahre wissen und welche Mythen können sie getrost vergessen?
Das Wichtigste ist zu wissen, dass Wechseljahre sehr individuell sind. Jede Frau erlebt sie anders. Ein verbreiteter Mythos ist, dass die Periode ein verlässlicher Indikator dafür ist, ob man bereits in den Wechseljahren ist oder nicht. Tatsächlich beginnt diese Umbruchsphase oft schon ab Ende 30 oder Anfang 40 mit ersten, noch kaum wahrnehmbaren Veränderungen. Ab Mitte 40 nehmen viele Frauen dann deutliche Symptome wahr, oft erkennen sie diese erst rückblickend als Wechseljahrsanzeichen.Viele Frauen glauben auch, dass es zwingend Hormontests braucht. In Wirklichkeit genügt es oft, genau zuzuhören. Beschwerden erzählen sehr viel darüber, was im Körper passiert. Ebenso darf der Mythos vom „Augen zu und durch“ getrost verabschiedet werden. Keine Frau muss heute leiden.
Wechseljahrsbeschwerden sind auch keine Strafe dafür, dass man im Leben etwas falsch gemacht hat. Sie sind vielmehr eine Einladung, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Diese Phase ist ein sensibles Zeitfenster, in dem es besonders wichtig ist, gut auf Herzgesundheit, Stoffwechsel und mentale Stabilität zu achten.
Und vielleicht das Wichtigste: Frauen sollten aufhören, sich gegenseitig zu bewerten. Es gibt nicht den einen richtigen Weg durch die Wechseljahre. Jede Frau darf den Weg wählen, der sich für sie stimmig und gut anfühlt.
Welche körperlichen und psychischen Veränderungen beobachten Sie am häufigsten und wie wirken sich diese auf den Alltag der Frauen aus?
Viele Frauen erzählen mir, dass sie sich selbst kaum wiedererkennen. Es verändern sich Körper und Innenleben gleichzeitig. Körperlich beobachten Frauen häufig Gewichtszunahme oder Veränderungen der Körperzusammensetzung durch Muskelabbau und hormonelle Umstellungen. Auch Haut und Schleimhäute werden trockener und das äußere Erscheinungsbild verändert sich spürbar.Psychisch zeigen sich oft Stimmungsschwankungen, depressive Phasen, innere Unruhe oder Panikattacken. Viele Frauen fühlen sich schneller gereizt, weniger belastbar und deutlich weniger stressresistent als früher. Was früher vielleicht nur gedacht wurde, wird jetzt ausgesprochen – und das kann für das Umfeld überraschend sein.
Diese Veränderungen wirken sich auf den Alltag und auf Beziehungen aus. Wenn sich eine Frau in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlt und emotional weniger stabil ist, betrifft das die Beziehung zu Kindern genauso wie die Partnerschaft. Viele Beziehungen müssen in dieser Lebensphase neu definiert werden. Deshalb rate ich Frauen immer, zuerst gut hinzuschauen und sich selbst zu verstehen, bevor sie in dieser Phase vorschnelle Entscheidungen treffen, etwa in Richtung Trennung oder grundlegender Veränderungen in der Beziehung.
Welche Herausforderungen entstehen, wenn Frauen in den Wechseljahren sind und Kinder gleichzeitig in der Pubertät?
Unsere heutige Lebensrealität bringt es oft mit sich, dass Frauen in den Wechseljahren sind, während ihre Kinder gleichzeitig in der Pubertät stecken. Zwei Lebensphasen des Umbruchs treffen aufeinander. Sowohl die Frauen als auch die Jugendlichen befinden sich in intensiven körperlichen und emotionalen Veränderungen und beide brauchen viel Verständnis.Die Herausforderung ist, dass in dieser Phase oft genau dieses Verständnis auf beiden Seiten fehlt. Jugendliche sind selbst stark mit sich beschäftigt und Frauen haben weniger hormonelle Ressourcen als früher, um ständig ausgleichend zu wirken. Das kann zu Konflikten führen, die sich schnell zuspitzen.
Gleichzeitig liegt darin auch eine Chance. Wenn es gelingt, diese Phase bewusster zu gestalten, offen zu kommunizieren und gegenseitige Prozesse ernst zu nehmen, kann daraus mehr Ehrlichkeit, Klarheit und ein neues Miteinander entstehen innerhalb der Familie.
Wenn Sie einer Frau in den Wechseljahren einen konkreten Rat geben könnten, welcher wäre das?
Mein Rat wäre, diese besondere Lebensphase bewusst zu nutzen, um innezuhalten und auszusortieren. Sich zu fragen, was möchte ich in die nächste Phase meines Lebens mitnehmen, was brauche ich nicht mehr und was tut mir wirklich gut. Die Wechseljahre sind eine Einladung, mutig zu überdenken, neu zu beginnen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.Gleichzeitig rate ich Frauen, sich selbst auf Augenhöhe zu begegnen und sich den Raum zu nehmen, den sie brauchen – unabhängig davon, ob sie viele Beschwerden haben oder kaum Symptome spüren.
Und ganz wichtig ist mir auch der Austausch unter Frauen. Frauenfreundschaften tragen enorm durch diese Zeit. Sich gegenseitig zu unterstützen, solidarisch zu sein, voneinander zu lernen und in Verbindung zu bleiben, kann sehr stärkend wirken. Kommunikation und Gemeinschaft sind in dieser Phase ein großer Schlüssel.
In den sozialen Netzwerken zeigen Sie oft einen sehr humorvollen Zugang zum Thema. Hilft es, sich in den Wechseljahren selbst nicht immer so ernst zu sehen?
Humor hilft sehr. Was auf den ersten Blick lustig wirkt, ist für viele Frauen gelebte Realität. In meinen Videos geht es mir vor allem darum, dass Frauen sich wiedererkennen und spüren, ich bin nicht allein damit. Dieses Gefühl verbindet und nimmt enorm viel Druck heraus.Viele Rückmeldungen zeigen mir, dass Frauen durch diese humorvollen Darstellungen erst verstehen, wie vielfältig die Wechseljahre sind und welche Themen alles dazugehören. Sich darin wiederzufinden, wirkt entlastend und macht verständlich, dass diese Veränderungen nichts Ungewöhnliches sind.
Humor bedeutet dabei nicht, die Wechseljahre nicht ernst zu nehmen. Im Gegenteil. Er ermöglicht einen liebevollen und offenen Umgang mit sich selbst und mit dem Umfeld. Wenn wir uns trauen, darüber zu sprechen und auch darüber zu lachen, werden die Wechseljahre gesellschaftsfähig. Mein Anspruch ist es, den Fokus weg vom verstaubten Bild zu lenken hin zu einer Phase, die bunt, lebendig, humorvoll, spannend und voller Veränderung sein darf.
Neugierig?
Dies ist nur ein Ausschnitt aus dem Gespräch mit Barbara Fleckinger. Das vollinhaltliche Interview finden Sie unter www.eres.bz.it

