Poesie
Say their names!
// Sarah Meraner //

Mama war mein erstes weibliches Vorbild.
Sie wurde jung Mutter und sie heiratete zu früh.
Mama war lange daheim bei uns Kindern.
Mama war hübsch. Und sie war unglücklich.
Dann arbeitete sie in Bars.
In die Bars kamen meist Männer.
Blöde Sprüche machen ihr nichts aus, so sagte Mama.
Wenn man die nicht aushält, so sagte Mama,
dann dürfe man nicht im Gastgewerbe arbeiten.
Mama wurde sexualisiert.
Aber ich habe von ihr gelernt: Das ist nun mal so.
Das muss man als Frau hinnehmen.
Aber ich habe nicht gelernt, dass das eine Lüge ist,
mit der man uns klein hält.
Meine Lehrerinnen waren meine zweiten weiblichen Vorbilder.
Sie waren mütterlich, freundlich und einfühlsam.
Sie waren der Grund dafür,
warum so viele Mädchen ebenfalls diesen Beruf ausüben wollten.
Ich habe von meinen Lehrerinnen schreiben, lesen und rechnen gelernt.
Das Stillsein, Bravsein, Sich-Unterordnen.
Aber nicht, wie stark wir Mädchen sind
und welche Möglichkeiten es für uns im Leben gibt.
Die Stars und Sternchen waren meine dritten weiblichen Vorbilder.
Sie hatten langes Haar, waren schlank und scheinbar perfekt.
Sie waren erfolgreich und formten das gesellschaftliche Bild der Frau.
Ich habe von ihnen gelernt,
dass man als Frau einem bestimmten Ideal entsprechen muss,
damit man bei anderen gut ankommt.
Dass das Aussehen einer Frau
über ihren Fähigkeiten und Talenten steht
und man deshalb nie genug sein kann.
Ich habe von ihnen gelernt,
dass sich der Selbstwert einer Frau darüber definiert,
ob sie bei Männern ankommt.
Aber ich habe nie gelernt, dass wir mehr sind als unsere Hülle.
Meine Vorbilder waren Frauen,
die der Rolle der mütterlichen, braven und sorgsamen Frau entsprachen
und Frauen, die sexualisiert und auf ihr Äußeres reduziert wurden.
Alle anderen habe ich nie gesehen.
Ich habe nie von ihnen gehört.
Und ich habe nie nach ihnen gefragt.
Aber es gab sie: Forscherinnen.
Autorinnen.
Mathematikerinnen.
Aktivistinnen.
Es gab Archäologinnen.
Pädagoginnen.
Pilotinnen.
Biologinnen.
Es gab Künstlerinnen.Erfinderinnen.
Chemikerinnen.
Sie gingen unter zwischen Hermann, Sigmund, Jacques, Andy, Sebastian, Charles, Henry, Alfred, Heinrich, Aristoteles, Friedrich, Neill, James, Albert, Johann, Thomas, Carl, Martin, Christoph, Isaac, Galileo, Nikolaus, George, William und Sokrates.
All die großartigen Frauen: unsichtbar.
Als hätte es sie nie gegeben.
Doch sie waren da.
Und sie sind es auch heute.
Erzählen wir von ihnen.
Nennen wir ihre Namen.
Marie, Virginia, Mary, Jane, Teresa, Maria, Bessie, Rosalind, Frida, Astrid, Katherine, Ruth, Nellie, Grace, Else, Hypatia, Victoria, Helene, Yayoi, Sylvia, Diotima, Fatima, Ada, Emily, Louise, Sophia, Mary, Aspasia, Ingeborg, Claudette, Manuela, Rosa, Simone …
Sie wurde jung Mutter und sie heiratete zu früh.
Mama war lange daheim bei uns Kindern.
Mama war hübsch. Und sie war unglücklich.
Dann arbeitete sie in Bars.
In die Bars kamen meist Männer.
Blöde Sprüche machen ihr nichts aus, so sagte Mama.
Wenn man die nicht aushält, so sagte Mama,
dann dürfe man nicht im Gastgewerbe arbeiten.
Mama wurde sexualisiert.
Aber ich habe von ihr gelernt: Das ist nun mal so.
Das muss man als Frau hinnehmen.
Aber ich habe nicht gelernt, dass das eine Lüge ist,
mit der man uns klein hält.
Meine Lehrerinnen waren meine zweiten weiblichen Vorbilder.
Sie waren mütterlich, freundlich und einfühlsam.
Sie waren der Grund dafür,
warum so viele Mädchen ebenfalls diesen Beruf ausüben wollten.
Ich habe von meinen Lehrerinnen schreiben, lesen und rechnen gelernt.
Das Stillsein, Bravsein, Sich-Unterordnen.
Aber nicht, wie stark wir Mädchen sind
und welche Möglichkeiten es für uns im Leben gibt.
Die Stars und Sternchen waren meine dritten weiblichen Vorbilder.
Sie hatten langes Haar, waren schlank und scheinbar perfekt.
Sie waren erfolgreich und formten das gesellschaftliche Bild der Frau.
Ich habe von ihnen gelernt,
dass man als Frau einem bestimmten Ideal entsprechen muss,
damit man bei anderen gut ankommt.
Dass das Aussehen einer Frau
über ihren Fähigkeiten und Talenten steht
und man deshalb nie genug sein kann.
Ich habe von ihnen gelernt,
dass sich der Selbstwert einer Frau darüber definiert,
ob sie bei Männern ankommt.
Aber ich habe nie gelernt, dass wir mehr sind als unsere Hülle.
Meine Vorbilder waren Frauen,
die der Rolle der mütterlichen, braven und sorgsamen Frau entsprachen
und Frauen, die sexualisiert und auf ihr Äußeres reduziert wurden.
Alle anderen habe ich nie gesehen.
Ich habe nie von ihnen gehört.
Und ich habe nie nach ihnen gefragt.
Aber es gab sie: Forscherinnen.
Autorinnen.
Mathematikerinnen.
Aktivistinnen.
Es gab Archäologinnen.
Pädagoginnen.
Pilotinnen.
Biologinnen.
Es gab Künstlerinnen.Erfinderinnen.
Chemikerinnen.
Sie gingen unter zwischen Hermann, Sigmund, Jacques, Andy, Sebastian, Charles, Henry, Alfred, Heinrich, Aristoteles, Friedrich, Neill, James, Albert, Johann, Thomas, Carl, Martin, Christoph, Isaac, Galileo, Nikolaus, George, William und Sokrates.
All die großartigen Frauen: unsichtbar.
Als hätte es sie nie gegeben.
Doch sie waren da.
Und sie sind es auch heute.
Erzählen wir von ihnen.
Nennen wir ihre Namen.
Marie, Virginia, Mary, Jane, Teresa, Maria, Bessie, Rosalind, Frida, Astrid, Katherine, Ruth, Nellie, Grace, Else, Hypatia, Victoria, Helene, Yayoi, Sylvia, Diotima, Fatima, Ada, Emily, Louise, Sophia, Mary, Aspasia, Ingeborg, Claudette, Manuela, Rosa, Simone …
1. Apatia:
führende griechische Philosophin, Mathematikerin und Astronomin aus der Spätantike © Elbert Hubbard, Hypatia, 1908, PD, Wikimedia Commons
2. Katherine Johnson:
NASA-Mathematikerin, deren präzise Berechnungen entscheidend für den Erfolg früher US-Raumfahrtmissionen waren © NASA/Sean Smith, PD, Wikimedia Commons
3. Prinzessin Sophia Duleep Singh:
britisch-indische Suffragette und Frauenrechtlerin © Autor unbekannt, British Library, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39660910
4. Fatima Al-Fihri:
Gründerin der ersten neuzeitlichen Universität © Jean-François Portaels, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4963198
5. Aspasia:
einflussreiche griechische Philosophin, Rhetorikerin und Lehrerin von Sokrates © Armineaghayan, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82328122
6. Grace Hopper:
US-amerikanische Informatikerin, Computer- und Programmierpionierin und Konteradmiralin der US Navy © James S. Davis, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55260
7. Diotima:
antike griechische Priesterin und Philosophin, Lehrerin des Sokrates (Ihre historische Existenz ist jedoch umstritten) © Pauldavidbourke, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90693899
8. Bessie Coleman:
Flugpionierin und die erste Afroamerikanerin sowie der erste Mensch indianischer Abstammung, der einen internationalen Pilotenschein erhielt © National Air and Space Museum, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6480704
9. Ada Lovelace:
britische Mathematikerin und erste Programmiererin der Welt © Margaret Sarah Carpenter, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=354077
10. Nelly Bly:
US-amerikanische Journalistin und Pionierin des investigativen Journalismus © H. J. Myers, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=478187
11. Emilie Schindler:
Aktivistin. Sie spielte an der Seite ihres Mannes Oskar eine entscheidende Rolle bei der Rettung vieler Juden. © Dr. José Rosenberg / Prof. Erika Rosenberg, Attribution, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41983142
12. Helene Stöcker:
bedeutende deutsche Frauenrechtlerin, Sexualreformerin, Autorin und Pazifistin der radikalen Frauenbewegung © Bradley & Rulofson, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36487735
13. Victoria Woodhull:
Journalistin, Finanzmaklerin und Frauenrechtlerin sowie die erste Frau, die für die US-Präsidentschaft kandidierte © Bradley & Rulofson, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36487735
14. Rosalind Franklin:
britische Biochemikerin und Spezialistin für Röntgenstrukturanalyse. Ihre Arbeit trug entscheidend zur Entschlüsselung der DNA-Doppelhelix bei © MRC Laboratory of Molecular Biology, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77075413
15. Mary Anging:
britische Fossiliensammlerin und Pionierin der Paläontologie © „Mr. Grey“ / Geological Society, London, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3824696
16. Claudette Colvin:
US-amerikanische Bürgerrechtsaktivistin, die mit 15 Jahren verhaftet wurde, weil sie ihren Sitzplatz im Bus für eine weiße Person nicht freigab © The Visibility Project, PD, Wikimedia Commons commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53332770