Poesie
Kollektive Stille
// Sarah Meraner //

© Karola G- pexels
Würdest du darüber sprechen …
Was würden die anderen wohl denken?
Wär’ es besser, abzulenken?
Was würden die anderen wohl sagen?
Und welche Fragen würden sie wagen?
Würdest du darüber sprechen …
Wie würden die anderen reagieren?
Würden sie dich weiter akzeptieren?
Was sind wir unbeholfen, gar beschämt,
denn: Man hat uns wirklich gut gezähmt,
erzogen, still zu sein und sehr bedacht,
damit man niemandem das Leben schwer macht.
Komplexe Themen – so tut man kund –
bleiben stets hinter verschlossnem Mund:
Behinderung und Einsamkeit,
Sex und Obdachlosigkeit,
Gewalt gegen Frauen und Fehlgeburt
– alles zu schmerzhaft, zu absurd.
Auch Armut, Jobverlust und Tod
stehen unter diesem Sprechverbot.
Alkohol- und Drogensucht:
stigmatisiert und still verflucht.
Depression, Alter, Regelblut –
all diese Dinge: eine Flut
an Themen, die man nicht bespricht.
Das alles ist unser Land doch nicht!
Und mit Gefühlen – sind sie nicht „gut“ –
hat man erst recht nicht viel am Hut.
Freude ist zwar noch erlaubt,
doch der Trauer und der Wut beraubt,
fressen wir in uns hinein,
was nach außen hin nicht sollte sein.
Darum schämt man sich und weint im Stillen
um des Dorfes Friedens Willen.
Ja, was der Gesellschaft nicht gefällt
ist das, was man für sich behält.
Und was „unpassend“ erscheint
wird stummgelacht oder verneint.
Doch:
Vielleicht würde sich die Welt verändern,
sähen wir genauer hin.
Vielleicht sollten wir uns eingestehen:
Ein Drüber-Reden macht viel mehr Sinn.
Vielleicht würde sich die Welt verändern,
und wir wären alle viel mehr frei.
Vielleicht täte es uns gut daran,
wär das kollektive Schweigen vorbei.
Was würden die anderen wohl denken?
Wär’ es besser, abzulenken?
Was würden die anderen wohl sagen?
Und welche Fragen würden sie wagen?
Würdest du darüber sprechen …
Wie würden die anderen reagieren?
Würden sie dich weiter akzeptieren?
Was sind wir unbeholfen, gar beschämt,
denn: Man hat uns wirklich gut gezähmt,
erzogen, still zu sein und sehr bedacht,
damit man niemandem das Leben schwer macht.
Komplexe Themen – so tut man kund –
bleiben stets hinter verschlossnem Mund:
Behinderung und Einsamkeit,
Sex und Obdachlosigkeit,
Gewalt gegen Frauen und Fehlgeburt
– alles zu schmerzhaft, zu absurd.
Auch Armut, Jobverlust und Tod
stehen unter diesem Sprechverbot.
Alkohol- und Drogensucht:
stigmatisiert und still verflucht.
Depression, Alter, Regelblut –
all diese Dinge: eine Flut
an Themen, die man nicht bespricht.
Das alles ist unser Land doch nicht!
Und mit Gefühlen – sind sie nicht „gut“ –
hat man erst recht nicht viel am Hut.
Freude ist zwar noch erlaubt,
doch der Trauer und der Wut beraubt,
fressen wir in uns hinein,
was nach außen hin nicht sollte sein.
Darum schämt man sich und weint im Stillen
um des Dorfes Friedens Willen.
Ja, was der Gesellschaft nicht gefällt
ist das, was man für sich behält.
Und was „unpassend“ erscheint
wird stummgelacht oder verneint.
Doch:
Vielleicht würde sich die Welt verändern,
sähen wir genauer hin.
Vielleicht sollten wir uns eingestehen:
Ein Drüber-Reden macht viel mehr Sinn.
Vielleicht würde sich die Welt verändern,
und wir wären alle viel mehr frei.
Vielleicht täte es uns gut daran,
wär das kollektive Schweigen vorbei.

