Leidenschaft
Weg zum inneren Frieden
// Marlene Erschbamer //
„Bringe Kopf und Herz zusammen, dann kommt das Richtige dabei heraus.“ So beschreibt Brigitte Morandell die japanische Kampfkunst, die ihr Ruhe und Zufriedenheit bringt.

Brigitte Morandell lehrt Yoseikan Budo © privat
Ihre Körperbeherrschung, Koordination und Kondition sind beeindruckend. Beim Training bewegt sich Brigitte Morandell aus Kaltern so, dass Athleten, die Jahrzehnte jünger sind als sie, neben ihr blass aussehen. Sie ist Jahrgang 1954 und trainiert mit großer Leidenschaft Kinder und Erwachsene in Yoseikan Budo und Bajutsu.
Yoseikan Budo – das sind Kampfkunst, Selbstverteidigung und Lebenseinstellung in einem. „Jede Stunde ist anders, es gibt immer einen anderen Zusammenhang. Doch die Atmung ist immer wichtig. Die Kraft der richtigen Atmung fasziniert mich.“
Außerdem sind Respekt und Achtsamkeit wichtige Pfeiler. „Bei der Arbeit mit Kindern geht es neben der Vermittlung von Techniken auch darum, ihnen das Sehen und Hören beizubringen. Viele müssen erst lernen, mit den Augen zu schauen, um dann auch wirklich zu sehen. Nur weil ich irgendwo hinschaue, heißt das nicht, dass ich auch sehe. Genauso ist es mit dem Zuhören: Kinder müssen oft erst lernen, genau zu horchen, um wirklich zu hören“, erklärt sie und ergänzt, dass diese Fähigkeiten auch Erwachsene oft erst lernen müssen.
Kaltern. Nach einer Ausbildung zur Verkäuferin drückte sie erneut die Schulbank, um anschließend als Sekretärin an verschiedenen Schulen und im Schulamt zu arbeiten. Ein Grundbedürfnis zieht sich jedoch durch ihr gesamtes Leben: die Bewegung. „Sportlich war ich schon immer“, erzählt sie.
Als junge Erwachsene war sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. So kam sie 1978 mit Yoseikan Budo in Berührung. „Das Training hat mich erfüllt. Danach war ich zufrieden.“ Sie war schon bald erfolgreich: „1987 war ich Italienmeisterin und nachher habe ich mich im Schiedsrichterwesen nützlich gemacht, bis hin zur internationalen Schiedsrichterin. Heute leite ich das Wettkampfbüro regional und national.“
Erstmals in Kontakt kamen sie damit Mitte der 1990er Jahre in Frankreich. „Wir konnten weder reiten noch Bogenschießen und kaum Französisch“, erinnert sich Brigitte. Am ersten Vormittag gab es Einheiten in Bogenschießen und Speerwurf. Am Nachmittag ging es das erste Mal für beide auf ein Pferd. Gleich schon mussten sie darauf knien und sich auf dem Pferd oben umdrehen. Sie sprangen zwar ins kalte Wasser, doch fingen sie sofort Feuer.
In den folgenden Jahren belegten sie verschiedene Kurse, unter anderem beim bekannten deutschen Reitlehrer Roger Kupfer. Er entwickelte für die beiden sogar einen eigenen Reitstil, der sich optimal für die Kampfkunst zu Pferd eignet. Daraufhin gab ihnen der in Frankreich lebende Gründer des Yoseikan Budo, Meister Hiroo Mochizuki, den Auftrag, Bajutsu zu unterrichten.
„Beim Bajutsu ist es wichtig, dass das Pferd mit viel Gefühl trainiert wird und in den Disziplinen Bogenschießen, Speerwerfen und Stockkampf mit dem Körper und den Beinen des Reiters gelenkt wird – und sogar mit den Gedanken des Reiters“, erklärt Brigitte. 2001 holte sie sich in dieser Kampfkunst den Sieg im Internationalen Belgischen Cup in der Kategorie Damen – ein besonderer Erfolg.
Mittlerweile ist sie über 70 Jahre alt, trainiert regelmäßig und strotzt nur vor Lebensenergie. Sie ist dankbar dafür, sich über all die Jahrzehnte einige kindliche Eigenschaften bewahrt zu haben: „Ich lache viel und gerne, stelle mir alles ganz genau bildlich vor und lache dann herzhaft los.“
Außerdem hat das Legobauen für sie eine besondere Bedeutung: Ihr älterer Bruder war mit Muskelschwund zur Welt gekommen. Wann immer es möglich war, verbrachte sie Zeit mit ihm. Eine gemeinsame Leidenschaft war das Lego. So ließen die beiden ihre Fantasien mit Legosteinen zum Leben erwecken – etwas, das Brigitte neben dem Training heute noch gerne macht. „Das Lego benutze ich heute speziell, um etwas zu bauen, das ich nicht zeichnen kann.“
Yoseikan Budo – das sind Kampfkunst, Selbstverteidigung und Lebenseinstellung in einem. „Jede Stunde ist anders, es gibt immer einen anderen Zusammenhang. Doch die Atmung ist immer wichtig. Die Kraft der richtigen Atmung fasziniert mich.“
Körper & Geist vereinen
Diese Faszination gibt Brigitte an alle Generationen weiter. Egal, ob sie mit Kindern oder Erwachsenen arbeitet: Sie integriert die Grundprinzipien des Yoseikan Budo. Dabei werden Körper, Geist und Technik als eine Einheit betrachtet – unabhängig vom Alter. Gerade die einfachen Dinge werden oft unterschätzt: „Es ist zum Beispiel wichtig, das Krabbeln zu beherrschen – auch für Menschen im fortgeschrittenen Alter. Allein schon, um sich selbst aus Gefahrenzonen bringen zu können.“Außerdem sind Respekt und Achtsamkeit wichtige Pfeiler. „Bei der Arbeit mit Kindern geht es neben der Vermittlung von Techniken auch darum, ihnen das Sehen und Hören beizubringen. Viele müssen erst lernen, mit den Augen zu schauen, um dann auch wirklich zu sehen. Nur weil ich irgendwo hinschaue, heißt das nicht, dass ich auch sehe. Genauso ist es mit dem Zuhören: Kinder müssen oft erst lernen, genau zu horchen, um wirklich zu hören“, erklärt sie und ergänzt, dass diese Fähigkeiten auch Erwachsene oft erst lernen müssen.
„Das erfüllt mich“
Aufgewachsen ist Brigitte auf einem Bauernhof inKaltern. Nach einer Ausbildung zur Verkäuferin drückte sie erneut die Schulbank, um anschließend als Sekretärin an verschiedenen Schulen und im Schulamt zu arbeiten. Ein Grundbedürfnis zieht sich jedoch durch ihr gesamtes Leben: die Bewegung. „Sportlich war ich schon immer“, erzählt sie.
Als junge Erwachsene war sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. So kam sie 1978 mit Yoseikan Budo in Berührung. „Das Training hat mich erfüllt. Danach war ich zufrieden.“ Sie war schon bald erfolgreich: „1987 war ich Italienmeisterin und nachher habe ich mich im Schiedsrichterwesen nützlich gemacht, bis hin zur internationalen Schiedsrichterin. Heute leite ich das Wettkampfbüro regional und national.“
Hoch zu Ross
Die Leidenschaft für Yoseikan Budo teilt sie seit jeher mit ihrem Mann Siegfried Reif. Seit über 30 Jahren praktizieren beide zusätzlich Bajutsu. Dazu zählen das Bogenschießen, Speerwerfen und der Stockkampf vom Pferd aus.Erstmals in Kontakt kamen sie damit Mitte der 1990er Jahre in Frankreich. „Wir konnten weder reiten noch Bogenschießen und kaum Französisch“, erinnert sich Brigitte. Am ersten Vormittag gab es Einheiten in Bogenschießen und Speerwurf. Am Nachmittag ging es das erste Mal für beide auf ein Pferd. Gleich schon mussten sie darauf knien und sich auf dem Pferd oben umdrehen. Sie sprangen zwar ins kalte Wasser, doch fingen sie sofort Feuer.
In den folgenden Jahren belegten sie verschiedene Kurse, unter anderem beim bekannten deutschen Reitlehrer Roger Kupfer. Er entwickelte für die beiden sogar einen eigenen Reitstil, der sich optimal für die Kampfkunst zu Pferd eignet. Daraufhin gab ihnen der in Frankreich lebende Gründer des Yoseikan Budo, Meister Hiroo Mochizuki, den Auftrag, Bajutsu zu unterrichten.
„Beim Bajutsu ist es wichtig, dass das Pferd mit viel Gefühl trainiert wird und in den Disziplinen Bogenschießen, Speerwerfen und Stockkampf mit dem Körper und den Beinen des Reiters gelenkt wird – und sogar mit den Gedanken des Reiters“, erklärt Brigitte. 2001 holte sie sich in dieser Kampfkunst den Sieg im Internationalen Belgischen Cup in der Kategorie Damen – ein besonderer Erfolg.
Leben, Lachen & Lego bauen
Brigitte Morandell hat viele interessante Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. Eine davon betont sie jedoch besonders: „Als ich meine erste Periode bekam, wusste ich nicht, was das ist. Als meine Mutter merkte, was los war, sagte sie nur: ‚Das ist jetzt für viele Jahre einfach so.‘ Irgendwann kam dann noch der Satz: ‚Bring mir kein Kind!‘ Dabei wusste ich doch gar nicht, wie das funktioniert.“ Brigitte ist froh, dass sich das geändert hat und dass Kinder heute aufgeklärt werden.Mittlerweile ist sie über 70 Jahre alt, trainiert regelmäßig und strotzt nur vor Lebensenergie. Sie ist dankbar dafür, sich über all die Jahrzehnte einige kindliche Eigenschaften bewahrt zu haben: „Ich lache viel und gerne, stelle mir alles ganz genau bildlich vor und lache dann herzhaft los.“
Außerdem hat das Legobauen für sie eine besondere Bedeutung: Ihr älterer Bruder war mit Muskelschwund zur Welt gekommen. Wann immer es möglich war, verbrachte sie Zeit mit ihm. Eine gemeinsame Leidenschaft war das Lego. So ließen die beiden ihre Fantasien mit Legosteinen zum Leben erwecken – etwas, das Brigitte neben dem Training heute noch gerne macht. „Das Lego benutze ich heute speziell, um etwas zu bauen, das ich nicht zeichnen kann.“

Bajutsu Yoseikan © privat
Yoseikan Budo ist eine moderne japanische Kampfkunst, die Körper und Geist gleichermaßen trainiert. Sie wurde von Meister Hiroo Mochizuki in Europa entwickelt und verbindet traditionelle Techniken aus Aikido, Karate und Judo mit Elementen aus Kickboxen und Waffentraining. Charakteristisch ist das Prinzip der Wellenbewegung. Dabei fließt die Kraft aus der Hüfte in alle Schlag-, Tritt- und Wurftechniken hinein.
Bajutsu ist eine Variante des Yoseikan Budo, die hoch zu Ross praktiziert wird. Sie verbindet die traditionelle japanische Kampfkunst zu Pferd, zu der Bogenschießen, Speerwerfen und Stockkampf gehören, mit den Bewegungskonzepten des Yoseikan Budo.
Nähere Infos: www.yoseikan-suedtirol.it.
Bajutsu ist eine Variante des Yoseikan Budo, die hoch zu Ross praktiziert wird. Sie verbindet die traditionelle japanische Kampfkunst zu Pferd, zu der Bogenschießen, Speerwerfen und Stockkampf gehören, mit den Bewegungskonzepten des Yoseikan Budo.
Nähere Infos: www.yoseikan-suedtirol.it.

